An der Schwelle zum Tod geraten sie ins Grübeln

(ran) | 02.07.2010

Eschweiler. Es ist ein Ort, an dem die unterschiedlichsten Menschen aufeinandertreffen. Darunter auch Lebensfrohe, Pessimisten, Egoisten, Ignoranten und gutmütige Phlegmatiker. Eines haben die Personen, die (unfreiwillig) im «Hotel zu den zwei Welten» eingecheckt haben, jedoch gemein.

Sie schweben im Zustand zwischen Leben und Tod. Es sind Komapatienten, die auf den Aufzug warten, der sie entweder wieder auf die Erde und damit zurück ins Leben bringt, oder sie in den Himmel, in den Tod auffahren lässt.

Dies ist die Ausgangssituation des Theaterstücks «Hotel zu den zwei Welten», das der französiche Dramatiker Eric-Emmanuel Schmitt im Jahr 1999 verfasste, und das die Schüler des Literaturkurses II der Bischöflichen Liebfrauenschule unter der Leitung von Rudolf Nobis und seiner Assistentin Ina Jansen am Donnerstagabend auf die Bühne ihrer Schulaula brachten.

Mit spürbarer Spielfreude, beeindruckender Ausdrucksstärke, großem Enthusiasmus und der notwendigen Ernsthaftigkeit gelang es den Nachwuchsschauspielern, dem Publikum das vielschichtige und philosophische Werk, das viele Fragen über den Tod, aber vor allem über das Leben aufwirft, näher zu bringen. Lautstarker und langanhaltender Applaus belohnte die Schüler nach rund zwei Stunden verdientermaßen.

«Wo bin ich und warum bin ich hier?», fragt Julien Portal (Fabian Fourné), als er sich für ihn plötzlich und auf unerklärliche Weise im «Hotel zu den zwei Welten» wiederfindet. Der Journalist kann sich an nichts erinnern. Dabei ist er mit 200 Stundenkilometern gegen einen Baum gefahren. Nun kämpfen die Ärzte um sein Leben, während sein Geist in der Unterkunft auf den Ausgang der Operation wartet, wie ihm der geheimnisvolle Doktor S. (Alexandra Michel) offenbart.

Doch Julien ist keinesfalls alleine. Mit ihm warten Präsident Delbec (Christina Derichs), der Magier Radschapur (Matthias Baum) und die junge Putzfrau Marie Martin (Alisha Offergeld) auf den Aufzug.

Letztere erzählt Julien ihre recht traurige Lebensgeschichte. Als Älteste von zwölf Geschwistern musste sie schon früh hart arbeiten. «Besen, Waschlappen und Putzzeug sind mein Schicksal.» Um diesem zu entkommen, nimmt sie den erstbesten Mann, der sie jedoch enttäuscht. «Das hat mir am meisten gefehlt. Ab und zu ein freundliches Wort.»

Ihre glücklichste Zeit hat sie nach ihrem ersten körperlichen Zusammenbruch erlebt. Im Krankenhaus. «Dort hatte ich endlich Zeit nachzudenken. Das muss das Glück sein», war sie sicher. Der zweite Zusammenbruch führte sie dann in das «Hotel zu den zwei Welten».

Julien, der panische Angst vor dem Tod hat, weil er glaubt, dass dieser den Sturz ins Nichts bedeutet, ist überrascht, dass Marie trotz ihres recht freudlosen Lebens an eben diesem hängt. Trotz seiner Todesangst ist dies bei ihm anders. «Das Menschsein ist eine lächerliche Partie, und ich habe nicht darum gebeten, daran teilzunehmen. Ich habe das Leben immer verachtet», zieht er eine ernüchternde Bilanz.

Während Präsident Delbec («Ich denke nur an mich. An wen sonst?») sein Dasein im «Hotel zu den zwei Welten» schlicht ignoriert, nimmt der Magier Radschapur, der seit sechs Monaten im Koma liegt, seine Situation mit scheinbarem Gleichmut hin. «Für mich liegt der Wert eines Menschen darin, dass er eben Mensch ist», philosophiert er. Dann erscheint Dr. S und bittet Marie, in den Aufzug zu steigen. Dieser führt die Putzfrau mit dem verbrauchten Herzen nach oben, in den Tod.

Ein faszinierendes Theaterstück, das von den jungen Schauspielern glänzend interpretiert wurde. Am kommenden Montag öffnet das «Hotel zu den zwei Welten» ab 20 Uhr ein weiteres Mal. Einige Zimmer sind noch frei!