Ketchup auf der Pizza, Printen im Reisekoffer

Von Stefan Herrmann | 08.10.2009

Eschweiler. Am Freitag geht es noch einmal zum Dreiländereck, auch ein kurzer Besuch im niederländischen Grenzörtchen Vaals steht auf dem Programm. Dann steigen die 16 ungarischen Schüler in Aachen wieder in den Bus, und zwar in den «Linienbus» London-Budapest. Ja, den gibt es wirklich und er wird auch rege genutzt.

So wie von den Jugendlichen des Tourismus-Gymnasiums aus Pécs. Eine knappe Woche waren sie zu Besuch in Eschweiler, erlebten Gastfreundschaft bei ihren deutschen Schüler-Partnern, Kultur und Geschichte während der Ausflüge und den Schulalltag in der Bischöflichen Liebfrauenschule.

Am Abend dann heißt es «Szia!» (Tschüss!). Aber nicht unbedingt für immer. Der Kontakt soll - in Zeiten des Internets schließlich kein Problem mehr - gehalten werden. Gelebte Deutsch-Ungarische Freundschaft halt.

Bereits im vierten Jahr pflegt das bischöfliche Gymnasium nun den Kontakt zu Schulen in Pécs. Zunächst unterstützt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), nun auf eigene Faust.

Bei ihrem letzten Besuch knüpfte die verantwortliche Lehrerin Maria Becker erste Bande mit dem Tourismus-Gymnasium. Ende September dann waren 16 Eschweiler Pennäler in der kommenden europäischen Kulturhauptstadt 2010 zu Gast. Anders als ihre ungarischen Partner durften sie für die etwa 1500 Kilometer ins Flugzeug steigen. Nun gab es den Gegenbesuch.

Was unterscheidet das Leben in den beiden Staaten, die sich seit der Osterweiterung am 1. Mai 2004 unter einem gemeinsamen europäischen Dach wiederfinden? «Das Geld liegt hier auf der Straße», meint Ungar Christian ein wenig lapidar.

Was er meint, führt David weiter aus: «Hier in Deutschland ist alles etwas ruhiger. Die Menschen haben nicht so viele Sorgen, haben also mehr Geld, können sich mehr leisten und haben mehr Freizeit.» Das zeige sich, so bestätigen alle der Zehnt- und Zwölftklässler, dann im Familienleben. «Auch die Infrastruktur ist größtenteils besser», ergänzt Thomas. Straßen, Busse, Züge, die Städte insgesamt - alles präsentiert sich in etwas besserem Zustand.

Naja, fast alles. Denn während die ungarischen Schüler die besuchten Kulturstätten (unter anderem führte sie ihr Besuch zum Kölner und Aachener Dom, aber auch zu Eschweiler Denkmälern) in einer Präsentation zusammenfassten, ratterte das Internet eher im Schneckentempo. Das sei daheim flotter, so David.

Ansonsten habe man aber eine Menge erlebt: Ausgiebiges Shoppen auf der Kölner Hohe Straße ebenso wie den Öcher Puppenbrunnen und natürlich Printen. Würden sie wieder am Austausch teilnehmen? Alle nicken mit dem Kopf. «Zumal wir dann ja auch zwei Wochen keine Schule haben», so David schmunzelnd.

Auf deutscher Seite sieht das Bild nicht anders aus. Man habe viel voneinander gelernt. Auch außergewöhnliche kulinarische Entdeckungen: «Die tun sich Ketchup auf die Pizza», wunderte sich Liebfrauenschülerin Lea.

«Mit der Teilnahme am Austausch können die Schüler später im Lebenslauf zeigen, dass sie offen sind, bereitwillig Risiken eingehen und Scheuklappen abgelegt haben», glaubt die 55-jährige Deutsch- und Religionslehrerin Maria Becker an den Wert des Austausches mit den osteuropäischen Freunden.

Das kann ihre ungarische Kollegin Monika Müller nur bestätigen. Als Übersetzerin war sie immer gefragt, wenn auch die ungarischen Schüler schon ganz passabel Deutsch sprechen. Da hapert´s auf der anderen Seite noch. Aber das kann ja noch kommen ...