Kunstausstellung 2008
ez (sh) | 02.12.2008
Eschweiler. Oft trügt der Schein. So wie bei Lenas Teddybär. Nach vorne hin ein lustiger, flauschiger, kleiner Geselle, doch in seinem Rücken steckt ein Messer - so wie in Lena. Denn von ihren Eltern wird sie geschlagen. Nur ein paar blaue Flecken zeugen von der unmenschlichen Behandlung.
Unscheinbar. Nicht beachtenswert. Und doch zeigen sie Lenas unverkennbaren Hilfeschrei Richtung Gesellschaft. Aber allzu oft schauen die Menschen weg.
Mit gesellschaftskritischen Themen wie diesem beschäftigt sich die am Montag eröffnete Ausstellung im Rathausfoyer. Unter dem Titel «... bloß nicht hinsehen!» legen Schüler aus der 13. Jahrgangsstufe der Liebfrauenschule die Finger genau in jene Wunden, bei denen viele Bürger im Alltag gerne einmal wegsehen.
22 Plastiken greifen Geschichten auf, die jederzeit und überall passieren. Kurze Texte erklären den Kontext. Es sind Geschichten, die nicht irgendwo in der Welt passieren, sondern direkt vor der Haustür: Kindesmisshandlungen, fehlende Zivilcourage, die Auswüchse der Wegwerfgesellschaft und die Vereinsamung vieler Menschen sind nur ein paar Aspekte der aufrüttelnden Ausstellung.
Ausgangspunkt für das ambitionierte Projekt war der Kunstunterricht im vergangenen Schuljahr. Die damaligen Zwölftklässler fertigten mit ihrem Lehrer Hermann-Josef Stumm Skizzen zu sozialkritischen Themen an. Jede Arbeit wurde in der Gruppe intensiv diskutiert. Gewalt- und Alkoholexzesse, Gleichgültigkeit und Vorurteile - die Gesellschaft «bietet» eine Vielzahl an Problemen, die künstlerisch behandelt werden können, um so Aufmerksamkeit zu erlangen und den Blick der Menschen auf bestimmte Fehlentwicklungen zu lenken.
Der Ansatz, Plastiken zu gestalten und damit an die Öffentlichkeit zu gehen, war dabei der ausdrückliche Wunsch der Schüler. Und so ging es in Eigenregie und außerhalb der Schulzeit auf die Suche nach möglichen Ausstellungsort. Fündig wurde man schließlich im Eschweiler Rathaus.
«Ich hatte hierbei die schwierigste Aufgabe. Ich durfte nämlich gar nichts machen», erzählte Kunstlehrer Stumm sichtlich stolz bei der Ausstellungseröffnung. «An dieser Stelle steht eine Gruppe, die soviel Mut und Nerven bewiesen hat», zog er den nicht vorhandenen Hut vor seinen Schülern.
Die Ambition, sich außerhalb von Schule und Lernzwängen zu engagieren, sich einzumischen und mitzureden, würdigte auch Bürgermeister Rudi Bertram: «Ich hoffe, dass Sie weiter mit offenen Augen durch unsere Stadt und die Gesellschaft gehen.» In einer kurzen und kontroversen Diskussionsrunde ging der Verwaltungschef mit den Liebfrauenschülern dann noch auf einzelne Plastiken ein.
Die Ausstellung «... bloß nicht hinsehen!» mit dem Untertitel «Wo Bürger wegsehen» ist noch bis Montag, 14. Dezember, im Rathaus zu bestaunen. Genaues Hinschauen lohnt sich hier auf jeden Fall!