Projekt im Rahmen des Kunstunterrichts
EZ vom 9.9.2008, (ran)
Eschweiler. Behinderte und Kunst - ein Gegensatz? Im Gegenteil! Bereits seit Jahren stellen behinderte Menschen in der Kunstwerkstatt des Caritas-Behindertenwerks ihre Kreativität unter Beweis.
Erst im Januar konnte sich die Öffentlichkeit während einer Ausstellung im Rathaus von der Leistungsfähigkeit der Behinderten überzeugen. Wenig später begann ein gemeinsames Projekt mit der Bischöflichen Liebfrauenschule.
In einem «Kunstworkshop» malten seit April Schülerinnen der nun zwölften Jahrgangsstufe gemeinsam mit den Mitgliedern der Caritas-Kunstwerkstatt. Und die Ergebnisse werden erneut allen Interessierten zugänglich sein.
Unter der Überschrift «Begegnungen ohne Grenzen» werden die Werke vom 22. Oktober bis 7. November im Rathaus ausgestellt. Die Vernissage steigt am Mittwoch, 22. Oktober, um 17 Uhr im Foyer des Rathauses.
Berührungsängste
Die Idee zur Zusammenarbeit der Schülerinnen und der behinderten Menschen hatte Dorota Okwieka, Leiterin der Caritas-Kunstwerkstatt. «Behinderte Menschen müssen einen Platz in der Gesellschaft haben», betont die Sozialpädagogin, die deshalb den Kontakt zu der Schule und den jungen Menschen suchte.
«Wir wurden bereits zur Vernissage der Januarausstellung ins Rathaus eingeladen. Zuvor war Dorota Okwieka bei uns in der Schule zu Gast, um die Projektidee vorzustellen», erinnert sich Kunstlehrerin Petra Schmitz, die nicht verschweigt, dass vor Beginn des Projekts gewisse Berührungsängste bei ihren Schülerinnen vorhanden waren.
«Aber nicht zuletzt durch die unkomplizierte Art der behinderten Menschen wurden diese schnell überwunden und ein echtes Miteinander entstand», berichtet sie.
«Von Anfang an wurde großer Wert auf die enge Zusammenarbeit gelegt. So konnten Grenzen überschritten, Ängste überwunden werden», unterstreicht auch Dorota Okwieka, die in ihrer Arbeit als Leiterin der Kunstwerkstatt von Studentin Eva Bachmann unterstützt wird.
Dass beide Seiten von der Partnerschaft profitieren, steht sowohl für Petra Schmitz als auch für Dorota Okwieka außer Frage. «Die Maler der Kunstwerkstatt fühlen sich ernst genommen, wenn akzeptiert wird, dass auch sie Sinn für Ästhetik haben», macht die Sozialpädagogin deutlich.
Die Schülerinnen der Liebfrauenschule schrieben sogar Tagebücher über
ihre Erfahrungen. «Sie sind froh und dankbar, die Lebensfreude der
behinderten Menschen zu erleben», so Petra Schmitz.
Einmal pro Monat trafen sich die beiden Gruppen, abwechselnd in der
Schule oder in der Kunstwerkstatt. Zur Einstimmung wurde meistens ein
Text zur Meditation vorgelesen.
«Dies geschah, um eine Stimmung und Atmosphäre zu schaffen, in der Kreativität möglich ist», erklärt Petra Schmitz. Anschließend malten die Künstler ohne Vorgaben. «Manche orientierten sich an den vorgelesenen Texten, andere hatten ganz andere Ideen. Jeder sollte seinen Gedanken nachgehen und danach malen», verdeutlicht die Kunstlehrerin.
Außergewöhnlich seien nicht zuletzt die Werke, an denen mehrere Künstler beteiligt waren. «Die Aufgabe bestand darin, sich in den anderen hineinzufühlen», so Dorota Okwieka, die besonders hervorhebt, wie wichtig Kunst für behinderte Menschen sein kann. «Sie malen, vielleicht noch mehr als Nichtbehinderte, aus dem Bauch heraus und offenbaren so ihre Gefühle.»
Ob auch nach der Ausstellung eine Fortsetzung des Projekts erfolgt, steht noch nicht fest, beginnt doch die Vorbereitung aufs Abitur. «Wir sind grundsätzlich sehr daran interessiert, den Kontakt zum Caritas-Behindertenwerk aufrecht zu halten», blickt Petra Schmitz in die Zukunft.